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Toskana 2003
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Rhönklub

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Nachbericht der Toskana-Wanderwoche

Wandern mit dem Rhönklub, Zweigverein Tann, in der Toskana

25 Wanderfreunde unseres Zweigvereins haben sich vom 26.3. - 2.4.03 in südliche Regionen aufgemacht, um dem winterlichen Klima unserer Rhön für ein paar Tage zu entfliehen. Seit Jahren schon organisieren Lilo und Heinrich Mallwitz, diesmal aktiv unterstützt von Helmut Limpert, für unsere Wanderfreunde im Frühjahr eine Wanderwoche im Ausland. Dieses Jahr wollten wir die Toskana kennen lernen. Diese Region ist die viertgrößte Italiens (nach Sizilien, Sardinien und der Lombardei) und hat etwa 3,5 Millionen Einwohner. Ihre Geschichte und Kulturgeschichte sind für Italien und auch für Deutschland von Bedeutung. Hier lebten die Etrusker und ihre 12 Städte hatten 500 v. Chr. ihre Blütezeit, bevor sie etwa 280 v. Chr. von den Römern unterworfen wurden. Seit Karl dem Großen (774) unterstand die Toskana dem deutschen Kaiser.


Karl der V. übergibt 1530 die Toskana an die Medici als Herzogtum.
Im 17. Jahrhundert beginnt der Niedergang dieses Gebietes und es verliert seinen Einfluss als politisches und kulturelles Zentrum. 1871 wird die Toskana Teil des entstandenen italienischen Einheitsstaates.
Diese bewegte Geschichte des Gebietes war in unserer Wandergruppe wenig bekannt, so dass schon das Durchfahren der Landschaft, aus der Lombardei kommend, unsere Aufmerksamkeit durch die vielen schlossähnlichen Villen auf den Hügeln und die zahlreichen hohen viereckigen Türme erweckte. Unser Quartier hatten wir in Montecatini-Terme in den Pisaer Bergen aufgeschlagen. Von hier aus führten wir unsere täglichen 10 - 12 km-Wanderungen in das toskanische Hügelland und die ersten Berge der Apenninen, deren höchster Berg 2073m in den Himmel ragt.


Wir lernten die Provinz Chianti kennen, aus der der herrliche Rotwein kommt. Das Weinanbaugebiet liegt zwischen Florenz und Siena. Auf den Bergen haben sich reiche Kaufleute aus Florenz ihre Sommerresidenzen gebaut und Weinbauern angesiedelt, die ihre Ernte zur Hälfte für die Herren des Bodens abgeben mussten und die andere Hälfte für sich vermarkten konnten. Das ist noch heute so.
Während unser Wandergebiet in den Apenninen vor allem aus Kalkstein besteht, sind die Berge der Apuanischen Alpen aus Marmor. In den 17 Marmorbetrieben von Carrara arbeiten 71 000 Menschen. Der Marmor, besonders beliebt ist der "beste weiße Marmor der Welt", wird im Tagebau gebrochen. Die Marmorberge leuchten wie Schneegipfel der Alpen. Sie sind bis 2000 Meter hoch, wundervoll weiß, aber ohne Schnee und Eisgletscher. Die bedeutendsten Bauwerke Italiens sind aus Marmor der Carrara-Berge hergestellt. Auch Michelangelo und Leonardo da Vinci haben ihre Monumentalwerke und Statuen aus Carrara-Marmor geschaffen. Sie haben die Steine in den Bergen selbst ausgesucht.


Einen Tag unserer Wanderwoche nutzten wir auch zu einem Ausflug nach Florenz, dem Zentrum der Toskana. 6 Jahre, von 1865 - 1871, war Florenz auch die Hauptstadt des Königreichs Italiens. Mit fast 400 000 Einwohnern ist Florenz eine große Stadt. Neben Rom und Venedig auch die bedeutendste Kultur- und Kunststadt. Mitte des 15. Jahrhunderts waren die Medici die Alleinherrscher, ohne Adel und Kirche. Für die Toskana gilt: Die Macht kommt und geht. Ihren Wohlstand und ihre Kultur verdankt sie im Mittelalter den zahlreichen Stadtrepubliken, die sich oft feindlich gegenüberstanden und ihre Einfluss-Sphären zu erhalten suchten.
Neben Florenz gilt das besonders von Pisa, Siena, Lucca, Pistoia. Jede hatte ihre hervorragenden Persönlichkeiten der Kunst und Wissenschaft sowie des Handels, auf die die Toskaner noch heute stolz sind: Michelangelo, Leonardo da Vinci, Dante Alighieri, Galileo Galilei, Puccini und die Medici, um nur einige hervorzuheben.


Während Pisa im frühen Mittelalter die einflussreichste Stadt der Toskana war, sie war ein bedeutender Hafen und hatte eine noch bedeutendere Universität, ist sie heute nur noch Kultstätte. Der schiefe Turm von Pisa ist
bekannter als seine herrliche Kathedrale mit dem Taufhaus oder die links vom Fluss Arno gelegene Altstadt. Heute liegt Pisa 13 km vom Meer entfernt. Der Arno hat viel Geröll und Sand aus den Bergen in die sich ständig vergrößernde Ebene gespült. Die Hafenstadt mit einem schönen Badestrand ist heute Viareggio.
Auf unseren Wanderungen in den Pisaer Bergen kamen wir auch am Geburtshaus von Collodi, dem Schöpfer der Pinocchio-Holzpuppe vorbei und erfreuten uns im toskanischen Montecarlo bei einer Weinprobe mit hausgeschlachteter Wurst und fein gezogenem Käse an der Gastfreundschaft der einheimischen Bauern.


Unvergessen bleibt uns ein Eindruck, den wir am letzten Wandertag hatten. Wir wanderten nach San Gimignano, einer hoch liegenden kleinen Bergstadt, die 13 viereckige Türme besaß. Im Mittelalter sollen es 72 gewesen sein. Sie hatten keine Funktion, sie sollten nur den Reichtum und die Bedeutung der Familien (Geschlechter) ausdrücken. Das wurde für wichtig erachtet, lag doch die Stadt an der Frankenstraße, dem wichtigsten Handelsweg nach dem Norden, und konnte so den Wert der Familien als mögliche Handelspartner ausdrücken.
In Montecatini, unserem Quartierort, waren wir die wenigste Zeit, obwohl er mit 11 Thermalquellen (Trinkkuren) und einer auf dem Berg liegenden Altstadt auch zum "Flanieren" - wie die Italiener sagen - einlädt.


Bereits auf der Rückfahrt in die schöne Rhön war sich unsere Wandergruppe einig: Wir sind um ein gemeinsames Erlebnis reicher und gestärkt für die Wanderungen in unserer Heimat.
 

Text: Paul Kunath